MOTIONROOM - Eine interdisziplinäre Raum- & Tanzperformance
MOTIONROOM zeigt eine Annäherung an raumrelevante Fragestellungen als Performance im öffentlichen Raum. RAUM als HÜLLE, TANZ & SOUND bilden MOTIONROOM - eine BEWEGTE RAUMSPHÄRE. Aus verschiedenen Medien kreieren wir - Angela Wiedermann, Jules Hepp, Helmut Kahlert und Anne Witt - ein dynamisches Raumerlebnis - den MOTIONROOM. Audiovisuell wird eine emotionale Raum-Kommunikation ins Leben gerufen, die verschiedene Wahrnehmungsebenen illustriert und darstellt.
ABLAUF
Im Rahmen der Performance MOTIONROOM bespielen wir ein Areal von 500 m² mit Sound, Bewegung & Rauminstallation. Die Performance Motionroom wird am 2. Februar 2010 in den Räumlichkeiten der Wollzeile 1, 1010 Wien stattfinden.
In unserer Choreographie bewegen sich Tänzerinnen aus unterschiedlichen Disziplinen (Breakdance, klassisches Ballett, Improvisationstanz) durch die Räume des Ausstellungsareals - begleitet von Sound und einer alle Räumlichkeiten mit einbeziehenden Rauminstallation. Für Choreographie, Rauminstallation sind Angela Wiedermann und Jules Hepp verantwortlich. Das interaktive Soundkonzept und die Tontechnik wird Helmut Kahlert übernehmen. Die Performance wird von der Videokünstlerin Anna Witt mit der Kamera in Szene gesetzt, dokumentiert und live via Beamer in die Räumlichkeiten der Wollzeile 1, sowie in einen Blog übertragen. Die Postproduktion des Videos obliegt ebenfalls Anna Witt.
Im Jahr 2010 soll das entstandene Video in einer weiteren Galerie präsentiert werden.
MOTIONROOM - Eine interdisziplinäre Raum & Tanzperformance
Die Elemente Raum - Kleid - Hülle verschmelzen durch die Perspektive von Bewegung & Tanz zu einer Gesamtsphäre, die die Thematik BEWEGTER RAUM/MOTIONROOM exemplarisch veranschaulichen.
Diese elementaren Wahrnehmungsebenen, die wir im MOTIONROOM illustrieren, benennen wir analog zu Sloterdijks Raumtheorie wie folgt:
Diese elementaren Wahrnehmungsebenen, die wir im MOTIONROOM illustrieren, benennen wir analog zu Sloterdijks Raumtheorie wie folgt:
KÖRPER - HÜLLE - RAUM
»Nur Leben heißt: in Sphären sein. Aber worin sind wir, wenn wir in Sphären sind? Was bedeutet es überhaupt, in etwas zu sein? Das lässt sich zunächst rein physikalisch verstehen. So bin ich etwa in einem Zimmer. Das Zimmer ist in einer Wohnung. Die Wohnung ist in einem Haus, das wiederum in einer Stadt ist. Die Stadt ist in einem Land, das Land auf der Erde, die Erde im Weltraum. In der antiken Philosophie ließ sich das Ende dieser räumlichen Verschachtelungen ineinander genau bestimmen. Der so genannte Kosmos war eine Art Totalbehälter, in dem alles enthalten war wie in einer russischen Babuschka-Puppe, in der aber selbst nichts mehr enthalten war. « (Sloterdijk 1998, S.48)
HÜLLE/KÖRPERKLEID
Hülle ist ein allgemeiner Begriff, der alle Gegenstände umfasst, die einen Raum bilden, indem sie eine flächige Grenze zwischen INNEN und AUSSEN schaffen. So bildet z. B. die Atmosphäre eine Hülle um die Erde oder die Haut eine Hülle um den menschlichen Körper – so wie die Kleidung.
»Und schließlich trägt der zeichenhafte Bezug der Bekleidung zu Welt- und Körperbildern Grundlegendes zum Verstehen des Menschen bei. Darüber hinaus stellt das textile Medium aufgrund seiner genuinen Eigenschaften der Transparenz, Durchlässigkeit, Beweglichkeit, Anpassungsfähigkeit, etc., d.h. aufgrund seiner steten Bezogenheit und Reaktion auf ein anderes, ein geeignetes Anschauungs- und Übungsfeld für diskursive Methoden dar. « (Nixdorff 1999, S. 15-16)
KLANG - BEWEGUNG
Körper, Kleid und Raum zeigen wir als Mikro-Universen, die in MOTIONROOM durch die Dimensionen Klang & Bewegung zu einer Gesamtsphäre verschmelzen. Diese Verschmelzungen sind Leitmotiv und zentrales Moment unserer Performance.
»Alles Sein ist Bewegung. Alles Handeln ist Tanz. Im Sein herrscht der Rhythmus der natürlichen Kräftebeziehungen. (…) Der tänzerische Sinn gestattet dem Menschen den klaren Einblick in die rhythmische Beschaffenheit des Naturgeschehens und ist das Mittel, um den natürlichen Rhythmus in künstlerisch-kulturelle Wohlgeordnetheit zu verwandeln. « (Rudolf von Laban) »Bewegung kann man nicht vorstellen, man muss ihnen im Bewusstsein nachfließen. Der intimere Aspekt zielt darauf hin, diese dem Vorstellen kongeniale Fähigkeit zu kultivieren. So wie das Vorstellen der verinnerlichte Abglanz der Wahrnehmung ist, soll eine innere Anschauungsart entwickelt werden, welche Bewegung, im Besonderen rhythmische Bewegung zu reproduzieren vermag (...). Die der Veränderung, der Transmutation unterworfene Gebilde, lassen im Bewusstsein Zeitgestalten auftauchen. « (Paul Schatz)
BEWEGUNG
Unter Bewegung verstehen wir nicht nur die Bewegung des Körpers, sondern auch die E-Motion als innere Bewegung, und verweisen auf den Zusammenhang von beidem. Durch Emotion entsteht nicht nur das Bedürfnis nach Bewegung, sondern Bewegung vermag es Emotionen hervorzurufen, zu färben und zu verändern.
Bewegung findet in MOTIONROOM in Form von TANZ und SOUND statt.
Zu begreifen ist diese Ebene als Bindeglied der beschriebenen Aspekte, die wir inhaltlich und formal bearbeiten. Tanz und Sound sind Elemente, die RAUM lebendig machen. Wir zeigen Kleidung als zweiten Raum des Körpers, als veränderliche Form-Morphologie, die durch die alltagsuntypischen, außergewöhnlichen Bewegungen des Tanzes modelliert und neu strukturiert werden.
INSTALLATION
Wir bringen Textpassagen aus (von uns ausgewählten) theoretischen & philosophischen Schriften in den Räumen an und lassen Tänzerinnen in diesem neu entstandenen Bedeutungsraum agieren.
VIDEO
Im Rahmen der Performance MOTIONROOM entsteht ein von der Videokünstlerin Anne Witt in Szene gesetztes Video. Dieses Video stellt eine weitere „Schale“ unserer theoretischen und praktischen Babuschka-Konstruktion aus KÖRPER - HÜLLE – RAUM – KLANG - BEWEGUNG dar.
Das Video wird live via Beamer in den Hauptraum der Performance übertragen, wo die Besucher es zusätzlich zur Liveperformance betrachten können. Nach Fertigstellung der Postproduktion wird das Video außerdem auf einem eigens dafür eingerichteten Blog weiterexistieren. Auf diese Weise ergeben sich via Beamer und Blog die vorerst äußersten Hüllen unserer Babuschka-Konstruktion...
Das Video ist zu einem späteren Zeitpunkt in einem weiteren Raumkontext neu zu installieren, wodurch sich wiederum der Kreis unserer theoretischen Überlegungen (als Teil der Babuschka-Theorie) zur Raumsphäre schließt.
SOUND
Das Projekt Motionroom erfährt durch den Musiker und DJ Christof Kette schließlich seine akustische Umsetzung. Christof Kette entwickelt aufgrund unserer gemeinsamen theoretischen Überlegungen ein Soundkonzept für die Performance Motionroom.
DER ASPEKT DER PERFORMATIVITÄT
DER ASPEKT DER PERFORMATIVITÄT
Wir haben für unsere Performance bewusst Tänzerinnen ausgewählt, die aus unterschiedlichen Disziplinen kommen. Insofern stellen wir mit MOTIONROOM auch die »typliche« Eindimensionalität weiblicher Performance in Frage.
Die Theorie der Performativität besagt, dass das soziale Rollen-Konstrukt durch die Aktion im (sozialen) Raum immer wieder neu hergestellt wird. Die Performerinnen kommen aus unterschiedlichen, oft gegensätzlichen Disziplinen und bringen aus diesen ihr eignes Selbstverständnis, Bewegungsvokabular und Ausdrucksrepertoire in die Performance ein. Für den Betrachter entsteht dadurch ein vielschichtiges und widersprüchliches Bild von Weiblichkeit.
Die Performance MOTIONROOM eröffnet dem Betrachter die Möglichkeit, die Bewegungen der Tänzerinnen auf sich wirken zu lassen, in sich selbst Assoziationen und Gefühle zum Gesehenen zu entdecken und neue Bedeutungszusammenhänge zum Thema Identität herzustellen.














